Im Oktober 2008 zeigte sich ein Topbanker in London bei einem vertraulichen Recherchegespräch für H.P. Martins Buch "Die Europafalle" äußerst besorgt über die heraufziehenden Gefahren für Spanien.
Der Banker rechnete schon damals mit fundamentalen Finanzierungsproblemen in Griechenland, gefolgt von Irland und Portugal. Richtig ernst werde es aber mit Spanien. Im Gegensatz zu mitteleuropäischen Ländern werden in Spanien faule Immobilienkredite oft erst nach fünf Jahren abgeschrieben. Somit werde die Schuldenkrise auf der iberischen Halbinsel erst mit einer Zeitverzögerung sichtbar: "Wäre ich Trichet, würde mir das schlaflose Nächte bereiten".
Zwar ist die Staatsverschuldung in Spanien derzeit noch vergleichsweise niedrig, doch die Folgen der rasch ansteigenden Arbeitslosigkeit, inbesondere bei jungen Menschen und Steuerausfälle werden sich bald negativ auswirken. Weit überdurchschnittlich sind jetzt schon die privaten Schulden. Nach gegenwärtigen Erhebungen muss bei Immobilien mit einem Kreditausfall von mindestens 100 Milliarden gerechnet werden - Stand Ende 2010. Der Betrag könnte sich durch eine Abwärtsspirale noch dramatisch erhöhen.
H.P. Martin machte dies als Mitglied im Wirtschafts- und Währungsausschuss gegenüber EZB-Präsident J.C. Trichet zum Thema und fragte, ob bei einer Pleite von Sparkassen oder einer der Großbanken auch ein "systemisches Risiko" vorliege und entsprechende europaweite Rettungsmaßnahmen aus Sicht des EZB-Chefs notwendig wären. Trichets Antwort: "Ich glaube nicht, dass die Arbeitshypothese angemessen ist, dass große spanische Banken Pleite gehen könnten."
H.P. Martin dazu: "Hoffentlich hat Trichet Recht. Doch schon vor mehr als einem Jahr gab mir der EZB-Chef bei einer kritischen Frage zu Griechenland eine ähnlich abwiegelnde Antwort."