Einige Markierungen in der globalen Zahlenflut - Informationen für die eigene Orientierung und für Diskussionen
Die Hungernden1
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) schätzt, dass mehr als 925 Millionen Menschen (Zahl für Ende 2010) weniger als nötig zu essen haben - sie hungern. Dabei hat vor allem auch die Banken- beziehungsweise Wirtschaftskrise die Preise nach oben getrieben - verglichen mit 2004 kosten die wichtigsten Lebensmittel heute auf dem Weltmarkt über 50% mehr. Während das in den reichen Ländern zwar unangenehm auffällt sorgen so die Fehlspekulationen der Banken vor allem in armen Ländern dafür, dass die Zahl der Hungernden wieder steigt.
Im Krisenjahr 2009 gab es deswegen die höchste Zahl Hungernde die die Weltgeschichte je gesehen hat: 1,02 Milliarden - 1.200.000.000 - Menschen hatten nicht genug zu essen. Im Jahr 2010 wurde es mit 925 Millionen Hungernden wieder etwas weniger schrecklich, aber zu sagen es sei besser würde die vielen die immer noch hungern beleidigen. Warum sind vor allem die Armen so anfällig für Schwankungen bei Nahrungsmittelpreisen? Weil sie den Großteil ihres Geldes für Essen ausgeben müssen um zu überleben:
Diese Grafik der FAO zeigt anschaulich die prekäre Situation der Ärmsten: Der durchschnittliche Ghanaer zum Beispiel muss mehr als 70% seines Geldes nur für Nahrung ausgeben - und vom restlichen Geld muss er dann noch Wasser, Wohnung, Kleidung, Medizin und andere Notwendigkeiten bezahlen. Wenn die Nahrungsmittelpreise leicht steigen ist irgendwann auch nicht mehr genug Geld für Lebensmittel übrig. Heute hungern deswegen 16% der Weltbevölkerung - jeder siebte Mensch.
Wer besitzt die Welt?2
Im Jahr 2007 gab es ungefähr 43000 "Transnational Corporations" (TNCs), Unternehmen, die in die OECD- Definition von grenzüberschreitend agierenden Unternehmen fallen. Diese 43000 sind zumeist auch die größten der weltweit mindestens 85 Millionen eingetragenen Unternehmen die es im Jahr 2007 gab.
Eine Studie der Universität Zürich untersuchte nun die Besitzverhältnisse dieser 43000 internationalen Unternehmen und fand, dass 147 davon mindestens 40 Prozent der übrigen 43000 TNCs mehr oder weniger indirekt "kontrollieren" - also ganz oder teilweise besitzen. Es handelt sich dabei vor allem um Banken und Finanzinstitute, wie die laut der Studie mächtigste Institution, die englische Barclays Plc sowie die amerikanischen JPMorgen Chase und Goldman Sachs Gruppen. Die meisten der TNCs sind aus den USA, aber auch Europa ist nicht unschuldig: die Deutsche Bank mit Platz 12 ist auch eines dieser mächtigen Unternehmen. Das die 147 "Kern-TNCs" sich dabei noch größtenteils gegenseitig besitzen - gegenseitig ihre Aktien halten - macht das ganze System möglicherweise instabil, denn hat eines dieser TNCs Probleme könnte sich das schnell ausbreiten - dies hat die jetzt zerschlagene Lehman Brothers Holdings Inc, auf Platz 34 laut den Daten von 2007, und einer der Hauptverursacher der Wirtschaftskrise, wohl bewiesen.
Das Netzwerk der globalen Unternehmensmacht: diese Grafik der Studienautoren stellt die 147 Kern-TNCs rot und andere große TNCs gelb dar. Linien zeigen die Besitz- und damit Machtverhältnisse. Die Grafik veranschaulicht vor allem wie verflochten die 147 mächtigsten Unternehmen untereinander sind
Wie wichtig ist China?3
Derzeit dreht sich scheinbar alles um China. Aber warum ist das Land so wichtig für uns? Eine Antwort finden wir in Zahlen aus der Wirtschaft: Im Jahr 2010 gingen insgesamt 8,4% der Ausfuhren der EU nach China, das sind 113,11 Milliarden Euro - und Taiwan ist noch nicht mitgerechnet. Vor allem im Maschinen- und Fahrzeugbereich ist China ein wichtiger Abnehmer - mit einem Wert von 69,5 Milliarden Euro gehen 12,2% aller Ausfuhren in diesem Sektor ins Reich der Mitte.
Brisant wird es bei den Einfuhren von China in die EU: Das waren im Jahr 2010 über 282 Milliarden Euro - oder 18,8% aller Einfuhren in die EU. Die EU hat dadurch beim Warenhandel ein Bilanzdefizit mit China, Waren im Wert von 168,75 Milliarden Euro mehr werden importiert als exportiert. China dominiert dabei einige Produktionsbereiche, so stammen 49,3% aller in die EU importierten Büro- und Telekommunikationsgeräte aus China, dazu zählen auch Computer. 46,2% aller Bekleidungsprodukte stammen ebenso aus China wie 32,9% der sonstigen Textilprodukte, 28,9% der "Halbfertigerzeugnisse" (zum Beispiel Fahrzeugteile) und sogar 32,8% aller Maschinen und Fahrzeuge, womit auch in diesem Bereich die EU ein Minus einfährt.
Geburten in Indien und China4,5,6
Noch ist China das größte Land der Welt. Mit geschätzten 1,34 Milliarden Menschen hat China fast dreimal so viele Einwohner wie alle 27 EU-Länder zusammen (502 Millionen). Indien mit seinen "nur" 1,21 Milliarden Einwohnern, derzeit auf Platz zwei, holt allerdings merklich auf, da dort die Geburtenrate deutlich höher ist. So wurden 2009 in Indien rund 26 Millionen Kinder geboren - das ist mehr als dreimal die Bevölkerung Österreichs. In China sind es durch die Ein-Kind-Politik deutlich weniger, UNICEF schätzt es waren 2009 ungefähr 18 Millionen. Zum Vergleich, in Deutschland mit 82 Millionen Einwohnern, waren es im selben Jahr 659.000 und in Österreich gerade mal 76.000.
In China und Indien kommen jeweils noch spezielle Gesundheitsprobleme hinzu, die sich derzeit sogar noch verschlimmern. In China wurden im Jahr 2010 1,2 Millionen Kinder mit Fehlbildungen oder geistigen Problemen wie Lernstörungen geboren. Für Indien belaufen sich die Schätzungen auf mindestens 500.000 Neugeborene mit Fehlbildungen pro Jahr. Weiterhin gibt es ein großes gesellschaftliches Problem: Sowohl in Indien wie auch in China werden männliche Nachkommen vorgezogen, was so weit geht, dass in Indien Mütter teilweise sogar bestraft werden wenn sie ein Mädchen gebären. Wegen Tötung von ungemeldeten Babies nach der Geburt und selektiven Abtreibungen werden in Indien pro 1000 Mädchen 1120 Jungen geboren, in China sind es mit 1133 Jungen sogar noch mehr.
Mindestlohn weltweit7,8
Weltweit sind die Unterschiede zwischen Arm und Reich groß. Oft kann man am gesetzlichen Mindeslohn ablesen wie gut es einem Land und seiner Bevölkerung geht. Allerdings haben immer noch die meisten Länder keinen Mindestlohn, vor allem jene, in denen die Armut besonders groß ist. Dazu kommt, dass ein Großteil der Armen der Welt nicht angestellt ist, sondern sich entweder durch Gelegenheitsjobs oder Ackerbau über Wasser hält. Und selbst in jenen Ländern die einen Mindestlohn haben steht auf einem anderen Blatt, ob dieser auch wirklich eingehalten wird.
In Weißrussland gilt einer der weltweit niedrigsten Mindestlöhne: wenn man Vollzeit arbeitet bekommt man eventuell nur 51,83 Euro. In den Nachbarländern Ukraine, mit 91,67 Euro, und Russland, mit 106,45 Euro pro Monat, ist es auch nicht viel mehr. In der Europäischen Union hat Bulgarien den niedrigsten Level mit einer Grenze von 122,70 Euro. Im Kontrast dazu steht weltweit Luxemburg, auch ein EU-Land, an der Spitzenposition. Man bekommt dort mindestens 1757,56 Euro für eine Vollzeitstelle. In Österreich gibt es seit 2009 einen Mindestlohn von 1000 Euro pro Monat, das sind 5,99 Euro pro Stunde. Allerdings sind Lehrlinge und Praktikanten weiterhin davon ausgenommen. Deutschland hat trotz mehreren großen Protesten des Gewerkschaftsbunds noch keinen Mindestlohn eingeführt.
Anteil der 27 EU-Staaten am Welt-Bruttoinlandsprodukt9,10:
Im Jahr 2007: 39 Prozent
Im Jahr 2050: 19 Prozent
Anteil Asiens am Welt-Bruttoinlandsprodukt11:
Im Jahr 2005: 30 Prozent
Im Jahr 2050: 57 Prozent
Bevölkerung in der arabisch sprechenden Welt im Jahr 202212;
700 Millionen, davon die Hälfte Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene
Bevölkerung in den 27 EU-Staaten im Jahr 201012:
500 Millionen
Menschen in der Welt, die weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag verdienen13
Im Jahr 2009: 631,9 Millionen
Durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt im Jahr 200914
Hong Kong: 83 Jahre
Österreich und Deutschland: 80 Jahre
OECD-Durchschnitt: 79 Jahre
Globaler Durchschnitt: 69 Jahre
Südasien: 65 Jahre
Schwarzafrika: 54 Jahre
Afghanistan: 48 Jahre
Der chinesische Automarkt15
China ist gerade zum größten Automarkt der Welt aufgestiegen. Im Jahr 2010 wurden in China 18,06 Millionen Fahrzeuge verkauft und 18,26 Millionen Fahrzeuge produziert. Damit gibt es in China jetzt 199 Millionen Fahrzeuge - nur in den USA sind es mit 250 Millionen derzeit noch mehr.
Die Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC), der größte chinesische Fahrzeughersteller, produzierte im Jahr 2010 3,56 Millionen Fahrzeuge und verzeichnete in nur einem Jahr ein Produktionswachstum von 31,53%. Bleibt das Wachstum bei dieser Rate dauert es nur noch drei Jahre bis SAIC den größen europäischen Produzenten, den Volkswagenkonzern (7,34 Millionen Fahrzeuge pro Jahr), überholt. Nach vier Jahren wäre SAIC dann auf Platz eins, wenn es die Firmengruppen General Motors (8,48 Millionen) und schließlich Toyota (8,56 Millionen) in der Anzahl der produzierten Fahrzeuge überholt.