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"Keine g'mahte Wiese für Martin"
Meinungsforscher geben dem EU-Mandatar aber gute Chancen für die Wahl.
"Keine g'mahte Wiese für Martin"

(Die Presse) 31.07.2006 
Nationalrat. Meinungsforscher geben dem
EU-Mandatar aber gute Chancen für die Wahl.
Wien (ett/red.). Jetzt ist es fix: Der
EU-Abgeordnete Hans-Peter Martin will bei der Nationalratswahl kandidieren und
beginnt nun mit dem Sammeln der dafür notwendigen Unterstützungserklärungen.
Die Frist läuft bis 25. August. Bundesweit bräuchte er 2600 Unterschriften. Der
Name seiner Liste: "Bürgerliste Martin - für Demokratie, Kontrolle,
Gerechtigkeit." Schwerpunkte beim Antreten seiner Gruppierung, das er
vorerst nur schriftlich angekündigt hat, würden neben "begründeter
EU-Kritik", Politikerprivilegien und die Vorherrschaft der Parteien in
Österreich.
Meinungsforscher räumten Martin am Sonntag
auf Anfrage der "Presse" gute Chancen ein, dass er am 1. Oktober
tatsächlich den Einzug ins Parlament schafft. Günther Ogris vom Sora-Institut
schränkte allerdings prompt ein: "Es ist keine g'mahte Wiese."
Weitgehende Übereinstimmung herrscht bei den Demoskopen, dass ein Antreten
Martins vor allem auf Kosten der FPÖ, des BZÖ, aber auch der SPÖ gehen würde.
Wolfgang Bachmayer vom OGM-Institut sagte,
es sei damit zu rechnen, dass Martin mit "plus-minus vier Prozent"
genau in den Bereich der Grenze für den Einzug in den Nationalrat komme. Martin
könne auf drei, vier Prozent kommen, meinte Ogris.
Das wären deutlich weniger als die 14
Prozent, die Martin mit seiner Liste bei der EU-Wahl 2004 geschafft hat. Für
Ogris ist dies nicht vergleichbar, die Nationalratswahl sei eine andere
Entscheidung. "Da ist die Richtungsentscheidung wichtiger als der
Protest." Den größten Anteil der Stimmen werde er von FPÖ und BZÖ holen.
Martins Stimmen könnten zum größten Teil aus dem Spektrum der Protestwähler
kommen, aber auch von den Sozialdemokraten.
Bachmayer erwartet ebenfalls Auswirkungen
vor allem für Rot, Blau und Orange bei einer Kandidatur Martins. Dessen
glaubwürdigste Position sei die "des Kontrollors, des Aufdeckers, der
nicht käuflich ist." Natürlich werde er aber auch Stimmen aus dem Sektor
möglicher Nichtwähler holen.
Hans-Peter Martin habe allerdings "im
Prinzip ein gewisses Sympathie-Manko", analysiert Bachmayer: "Ein
wirklich scharfer Kontrollor ist nie beliebt." Daher stelle dieser nun
auch die "Bürgerdemokratie" ("eine politisch sauberere
Positionierung") mit in den Vordergrund.
Der Politologe Peter Filzmaier sieht zwar
nach dem Antreten Martins die Möglichkeit, dass sogar sechs Parteien ins Parlament
kommen, hält diese Variante aber für "nicht unbedingt
wahrscheinlich". Filzmaier rechnet vielmehr damit, "dass der eine
oder andere auf der Strecke bleiben wird". In einem Wahlkampffinale werde
"die Luft für eine große Zahl von kleinen Parteien dünn."
Erschienen auf "Die Presse.com", 30.7.2006.
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