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Software-Patente: Positives(!) aus EU-Straßburg

Am 6. Juli 2005 wird im EU-Parlament über die neue Software-Patente-Richtlinie in Zweiter Lesung abgestimmt. Unzählige kreative Kleinunternehmen sind davon betroffen. Hans-Peter Martin wird wie schon in der Ersten Lesung auf Seiten der Kritiker stehen. Hier ein Dank an die Aktivisten - sie weisen in die Zukunft gelebter Demokratie:

Ein gewichtiger Satz, hier bewußt niedergeschrieben: Heute und morgen sind  wichtige Tage für die Zukunft der Demokratie in Europa. Denn es ist wirklich etwas los in Straßburg. Jedem EU-Parlamentarier muß klar sein, dass an diesem Mittwoch, dem 6. Juli 2005,  die Existenz von tausenden Kleinbetrieben auf dem Spiel steht. An der Parlamentszufahrt machen sich hunderte junge Menschen mit Trillerpfeifen unüberhörbar, auf ihren gelben T-Shirts prangt unübersehbar ein "NO". Zuvor schon haben sie uns mit Argumenten eingedeckt, per E-Mail, per Fax und in Telefonaten. Kurzzeitig brachen die Leitungen zusammen, so lästig waren uns engagierte EU-Bürger.

Ich finde das erfrischend und notwendig. Denn es geht wieder einmal um eine zentrale "EU-Richtlinie", also einen Beschluß auf EU-Ebene, der dann in nationales Recht übernommen und so zu einem EU-weiten Gesetz wird. Mit Ausnahme einiger Spezialisten kann kein EU-Abgeordneter behaupten, dass er wirklich wüßte, was er da auf den Weg bringt. In den vergangenen fünf Jahren gab es allein 5762 namentliche Abstimmungen und mehr als 50.000 weitere Abstimmungen zu unzähligen Themen. Da kann man auch als fleißiger Volksvertreter nur einige Schwerpunkte setzen. Immer wieder mache ich deshalb die Erfahrung, daß die unmittelbar Betroffenen einer anstehenden EU-Entscheidung viel besser Bescheid wissen als diejenigen, die darüber beschließen. Das können Krankenschwestern sein, wenn es um deren Bereitschaftsdienste geht, aber auch Industriebetriebe, denen neue Überregulierungen die Lebensader abschnüren.

Am 6.Juli also wird über die "Patentierbarkeit computerimplementierter Erfindungen" abgestimmt. Der EU-Ministerrat hat bereits die Vorlage geliefert, in der er Softwarepatente nach US-Vorbild auch in der EU gesetzlich detailliert schützen will. Was so technisch klingt, hat enorme Folgen. Nur Microsoft und andere Großunternehmen können sich solche allumfassende Patente und ihre rechtliche Durchsetzung international überhaupt leisten, nicht aber die kreativen kleinen Entwickler, deren Zahl auch in Österreich steigt und steigt. Sollte diese Richtlinie beschlossen werden, so schreibt mir der Software-Entwickler Karl M. Prager aus Wien, "würde Software nicht mehr demjenigen gehören, der sie geschrieben hat, sondern wir würden für den Vertrieb oder das Veröffentlichen unserer eigenen Software gerichtlich belangt werden. Damit werden praktisch die Mehrzahl der österreichischen Dienstleister unserer Branche über Nacht in die Illegalität verbannt und sind dann vogelfrei."

Wie viele andere E-Mailer belegt Herr Prager seine These dann eindrucksvoll. Es darf keine Pseudopatente für die Multis geben, diese Botschaft ist angekommen. "Das wichtigste ist, dafür zu sorgen, dass Software in Europa nicht patentiert werden kann", sagt jetzt sogar die großindustriefreundliche EU-Abgeordnete Piia Noora Kauppi aus Finnland, der Heimat von Nokia. Dennoch ist die Abstimmung noch nicht gewonnen. Doch auch da machen die Patente-Gegner Druck. Im Internet werden sie sofort nach der Entscheidung im Straßburger Plenum detailliert veröffentlichen, welcher EU-Parlamentarier persönlich wie abgestimmt hat. Da gibt es dann kein Verstecken hinter Parteibeschlüssen und Großlobbyisten mehr, wenn jeder interessierte Wähler hier bei ETI und unter www.ffii.org nachlesen kann, wie es wirklich zugeht. So hat gelebte Demokratie eine Chance. So findet Zukunft statt.

ETI-Meldung vom 5. Juli 2005.


Siehe auch:

Softwarepatente: "Jetzt Widerstand organisieren"

FAZ: Die Schlacht ums Patent

Heise Online: Softwarepatente: EU-Abgeordnete schwenken auf Kurs des EU-Rates ein

EU-Patentamt zu Software-Patentierbarkeit

FFII-Voting Data: Wie österreichische EU-Abgeordnete tatsächlich abstimmen

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