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Sind Unternehmer unsozial?
Versagende Politiker zwingen sozial eingestellte Unternehmer, unsozial zu sein - so die These eines Beitrags.
Ein Debatten-Einwurf von Hans-Peter Martin:
Die Globalisierungsfalle schnappt zu. Unternehmen sind unsozial. Sie nutzen gefühllos die Spielräume, die sich auftun, weil Europas Politikelite sich selbst ins Abseits stellte. Jetzt gibt es kein Halten mehr: In der EU ist der Binnenmarkt schrankenlos, er quillt über an willigen und fähigen Arbeitskräften. Nach dem EU-Beitritt Bulgariens und Rumäniens ab 2007 werden auch die gegenwärtig so billigen Ostungarn und Polen gegen noch billigere Nachbarn konkurrieren. Lohn-, Steuer- und Umweltdumping wird Alltag. Millionen Deutsche und Österreicher bleiben außen vor: zu wenig aufopferungswillig, zu teuer bei zu durchschnittlicher Ausbildung. Der Standortvorteil der Gründlichkeit verdorrt. Emotionslos vergleicht eine neue Managergeneration global Standorte und Märkte. Es zählt nur die Rendite.
Unternehmen sind sozial. Im Gegensatz zu EU-Verwaltung und nationalen Beamtenhorten sind sie ergebnisorientiert, schaffen profitable Arbeitsplätze. Sie organisieren Effizienz. Unternehmen engagieren immer neue Kreativkräfte, fördern sie, pflegen die Cluster. Sie sind Getriebene der Fonds, in die Millionen Menschen investieren - mit der Erwartung hoher Renditen, gerade für ihre Lebensversicherungen. Vernünftige Unternehmen wünschen sich, dass die Europäische Union kein politischer Krüppel bleibt und ihnen faire Grenzen setzt. Denn sie wissen, dass eine haltlose Gewinnmaximierung nur über begrenzte Haltbarkeit verfügt. Zuerst streiken die OPEL-Arbeiter nur, kommt es zu vielen Fabriksstilllegungen, legen sie Infrastruktur und Gesellschaft lahm. Märkte versiegen mangels Kaufkraft. Soziale Unternehmer klagen darum zu Recht über versagende Politiker, die sie zwingen, unsozial zu sein.
Erschienen in der österreichischen Zeitschrift "Format", Heft 50/2004. Zum selben Thema äußern sich dort auch Hannes Androsch (Industrieller, Ex-Finanzminister in Österreich), Claus Raidl (Generaldirektor Böhler-Uddeholm) und der Journalist Ernst Schmiederer.
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