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Nichts ist spannender als Politik

"Es geht nicht nur um rasend viel Geld, sondern um die ganz grossen Dinge: um neue Städte und Naturparks, um brauchbare Regeln für jede Schule und um falsche Gesetze, um Wolkenkratzer und Radwege, um künstliche Lebensmittel, um neue Flugzeuge und Waffen, um ganz neue Gesellschaften, ums Weltklima, um Krieg und Frieden." In einem Vorwort für eine österreichische Schülerzeitung erklärt Hans-Peter Martin, warum es Sinn macht, sich politisch zu engagieren.

Nichts ist spannender als Politik.

Wie bitte?

Persönlich bin ich wirklich dieser Meinung. Denn in der Politik geht es gleichzeitig um alles. Politik ist wie ein Videospiel im höchsten Level. Alles hängt mit allem zusammen, es geht ungeheuer schnell, und bei jedem Fehler verliert man Energie. Wer sich nicht voll konzentriert, kommt nicht voran. Wer nicht sofort und geschickt reagiert, verliert ein, zwei, drei Leben und fliegt ganz raus.

Doch anders als Videospiele ist Politik eben kein Spiel. Politik ist echt. Und man kann sie nicht abschalten, sie läuft Tag und Nacht, überall auf der Welt, ohne Pause. Es geht nicht nur um rasend viel Geld, sondern um die ganz grossen Dinge: um neue Städte und Naturparks, um brauchbare Regeln für jede Schule und um falsche Gesetze, um Wolkenkratzer und Radwege, um künstliche Lebensmittel, um neue Flugzeuge und Waffen, um ganz neue Gesellschaften, ums Weltklima, um Krieg und Frieden.

Bislang blockieren aber Parteien und Postenschacher vieles. Vor allem, sich selbst in der Politik zu engagieren. Wer will schon bei diesen unendlich faden Sitzungen von Berufspolitikern ständig herumsitzen? Ich auch nicht, obwohl ich seit fünf Jahren als Volksvertreter im Europäischen Parlament bin. Also, was tun? Durchs Internet und das Reisen können sich heute auch Jugendliche oft schon besser informieren als früher Erwachsene. Darum bin ich überzeugt, dass es zu viel mehr Fragen Volksabstimmungen und echte Befragungen geben muss. Die meisten Bürger sind doch heute mindestens so klug wie die Politiker selbst. Oft erlebe ich, dass E-Mails von Wähler bessere Tipps und Warnungen enthalten sind als all die wulstigen Papiere der Partei-Fraktionen. Darum glaube ich fest, dass wir die Parlamente frei machen müssen. Freie engagierte Bürger sollten da drin sitzen, ihrem Gewissen verpflichtet. Es geht darum, die Mächtigen zu kontrollieren. Denn wir brauchen eine neue, faire Demokratie wie sauberes Trinkwasser. Wie wir beim Wasser aufpassen müssen, damit unsere Körper nicht austrocknen, so dürfen bei der Demokratie und Freiheit unsere Köpfe nicht verdursten.

Darum dürfen wir uns nicht mundtot machen lassen. Wer sich engagiert, lebt intensiver. Und Mut zahlt sich doch aus, oder?

Erschienen in "Pts-News 04 - die kritische Schülerzeitung" (Polytechnische Schule Enns), 5.5.2004.

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