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Das EU-Dolmetscher-Paradies

Die Verschwendungsserie in den EU-Institutionen reißt nicht ab. Hier die Details zur Dolmetscher-Bonanza: Allein die Gesamtkosten für die Übersetzerdienste in den EU-Institutionen sind exorbitant, sie betragen 163 Millionen Euro im Jahr. Das EU-Parlament beansprucht für sich 57 Millionen Euro. Zumindest 26 Millionen Euro werden jährlich für Übersetzer bezahlt, die warten, aber nicht gebraucht werden. Dabei wird bei wirklich wichtigen Verhandlungen oft gar nicht gedolmetscht.

- Die Übersetzungskosten für einen realen Arbeitstag im Parlament liegen somit bei knapp einer halben Million Euro. Jeder Dolmetscher kostet dem Steuerzahler im EU-Parlament je Tag 1476 Euro gegenüber 1046 Euro in der EU-Kommission oder im Rat;
- Die Übersetzerkosten je Arbeitsstunde liegen damit im EU-Parlament um ein Drittel höher als in der EU-Kommission oder im EU-Rat;
- Bisweilen werden Dolmetscher auch für Kurzzeiteinsätze von wenigen Stunden in der Business-Klasse etwa aus Griechenland eingeflogen, wenn die anderen Übersetzer vor Ort gerade ausgebucht sind;
- In Ausschusssitzungen werden auch Übersetzungen in Sprachen angeboten, die keiner der EU-Abgeordneten in diesen Gremien spricht;
- Die Dolmetscher sind stets pünktlich einsatzbereit, doch die Politiker kommen fast immer zu spät. Besonders empörende Zustände herrschen etwa im Haushaltsausschuß des EU-Parlaments, der ja für die Zuteilung sehr vieler EU-Gelder zuständig ist. Der polnische Vorsitzende Janusz Lewandowski läßt die Sitzungen oft erst nach fünfzehn oder mehr Minuten beginnen. Auch in anderen Ausschüssen und bei Fraktionssitzungen ist dies gängige Praxis – so entsteht übers Jahr ein Millionenschaden;
- Die Arbeitszeiten der Dolmetscher sind aber sehr beschränkt. Ausschuß-Sitzungen dauern nie länger als dreieinhalb Stunden je Halbtag, zumeist sind dabei 33 Dolmetscher anwesend, während oft nur ein halbes Dutzend EU-Abgeordnete den Debatten lauscht;
- Wichtige Verhandlungen finden freilich zumeist außerhalb der Ausschusssitzungen statt. Da gibt es dann keine Dolmetscher.
- Natürlich soll sich ein Volksvertreter in wichtigen Fragen in seiner Landessprache ausdrücken können und Richtlinientexte auch in seiner Landessprache lesen und dazu Änderungsanträge einbringen können. Doch der Großteil der Kosten fällt bei den Ritualübersetzungen in Ausschüssen, bei endlosen Fraktionssitzungen und im Plenum an. Dort wird jede noch so belanglose Wortmeldung in alle weiteren 20 Amtssprachen simultan übersetzt, obwohl oft nur ein Dutzend der insgesamt 732 Abgeordneten überhaupt anwesend ist.
- Schließlich wird auch jede Wortmeldung, die je im Plenum gemacht wurde, danach auch noch schriftlich in alle Amtssprachen schriftlich übersetzt. Das kann bis zu sechs Monate dauern. So wird etwa die Antrittsrede von Bundeskanzler Schüssel als EU-Ratspräsident vom 18. Jänner 2006 dereinst auch auf maltesisch verfügbar sein – vermutlich im Juli 2006, nach dem Ende der Präsidentschaft. Alle fünf Abgeordneten aus Malta sprechen aber geradezu perfekt englisch. Und wer will etwa eine Wortmeldung eines Portugiesen zur Geschäftsordnung Monate später auch noch auf slowakisch nachlesen können?
- Vor allem aber werden den EU-Abgeordneten ohnehin großzügige Sprachkurse finanziert. Und wer bei irgendwelchen EU-Verhandlungen etwas voranbringen will, muß ohnehin eine der führenden EU-Sprachen beherrschen also englisch, französisch oder deutsch.
- Das EU-Parlament hat es bislang jedoch abgelehnt, ein professionelles externes Beratungsunternehmen beizuziehen, um diese unendlichen Verschwendungspraktiken endlich zu beenden. Der unabhängige EU-Abgeordnete Hans-Peter Martin dazu: "Unerträglich. Auch dieser Mißstand gehört dringend beseitigt. Die Veröffentlichung der Fakten kann ein erster Schritt dazu sein."  

ETI-Meldung vom 19. Februar 2006.

Siehe auch:

EU-Dokument: Auszüge aus dem Berichtsentwurf über Dolmetschleistungen


Siehe auch:

EU-Irrsinn: 163 Millionen für Dolmetscher!

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