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Angela Merkel im EU-Parlament

Ohne Verfassung keine Erweiterungen
 
Mit Blick auf die Verfassung sagte [die deutsche Bundeskanzlerin und amtierende Ratspräsidentin Angela] MERKEL, man müsse für das zukünftige Europa "neue vernünftige Regeln" entwickeln, die den anstehenden Herausforderungen entsprechen und Europa handlungsfähig machen. Mit den heutigen Regeln könne "die EU weder erweitert werden, noch ist sie zu notwendigen Entscheidungen befähigt. Diesen Zustand müssen wir überwinden".
 
Deshalb brauche man klare Beschreibungen der Kompetenzen der EU und der Nationalstaaten. Verfahrensregeln müssten klarer als bisher definiert sein. Die vertraglichen Grundlagen, die wir haben, müssten den veränderten Rahmenbedingungen angepasst werden, "wenn die Europäische Union in der Welt von Morgen bestehen will". Aus diesem Grund wolle sie einen "Ausweg aus der Ratifizierungskrise des Verfassungsvertrages" suchen und einen Fahrplan für den weiteren Prozess des Verfassungsvertrages zu verabschieden. "Die Phase des Nachdenkens ist vorbei. Jetzt gilt es, bis Juni neue Entscheidungen zu erarbeiten". Ein Scheitern wäre ein "historisches Versäumnis".
 
(…)

Bürokratieabbau eine Daueraufgabe europäischer Politik
 
Untrennbar damit verbunden sei "eine Daueraufgabe europäische Politik", der Abbau überflüssiger Bürokratie. Es müsse über das sogenannte Diskontinuitätsprinzip diskutieren, also darüber, dass in der EU nicht erledigte Gesetzesvorhaben am Ende einer Legislaturperiode des Europäischen Parlaments verfallen. Dies sei "gute demokratische Praxis" in den meisten Mitgliedstaaten. Warum nicht auch in Europa? Beim Antritt einer neuen Kommission und eines neuen Parlaments wäre dann jeweils ein politischer Neuanfang möglich.
 
Ein langsames, ein bürokratisches und ein zerstrittenes Europa werde die Aufgaben nicht lösen, die zu lösen sind. Alle Herausforderungen verlangten von Europa gemeinsames Handeln und Regeln, die zu diesem gemeinsamen Handeln befähigten,  zusätzliche Anstrengungen und die Bereitschaft zur Veränderung und Erneuerung.

(...)

Hans-Peter MARTIN (Fraktionsfrei) forderte Merkel auf , ihren ganzen Mut und ihre Zähigkeit zusammen zu  nehmen, und nicht etwas "zusammen zu mauscheln". Ohne eine demokratische Legitimation, ohne ein Fundament, könne das europäische Haus nicht funktionieren. "Gehen Sie an den großen Wurf, reden Sie nicht nur von Regeln, sondern arbeiten Sie mit etwas sehr Grundsätzlichem und basteln Sie nicht irgendetwas zusammen, was die Völker überfordert, was das Parlament nicht einbezieht und am Schluss auf dem Müllhaufen der Geschichte landen wird, so wie die Republik, aus der Sie ursprünglich stammen."


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Erschienen auf der Homepage des Europäischen Parlaments am 18.1.2007.

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